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Warum Mineralwasser zum Auslaufmodell wird

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Nestlé stellt Vittel-Lieferung an Lidl ein. Der Schweizer Konzern fährt das margenschwache Wassergeschäft weltweit zurück. Der Grund: Die Kritik an Plastikmüll und der intensiven Nutzung der Quellen wächst.

Nestlé beliefert ab November den deutschen Discounter Lidl nicht mehr mit Mineralwasser von Vittel.

Die Kunden des Discounters Lidl werden bald vergeblich nach Wasser der Marke Vittel suchen. Ab November stellt Nestlé Waters die Belieferung ein. „Der bestehende Vittel-Vertrag zwischen Nestlé Waters Deutschland und Lidl Deutschland läuft Ende Oktober 2021 aus. Nach gemeinsamer Abstimmung wurde entschieden, den bestehenden Vertrag zu Vittel nicht weiter zu verlängern“, teilte Nestlé auf Nachfrage mit. Gründe nannte der Konzern nicht. Das „Manager Magazin“ hatte zuerst darüber berichtet.

Lidl gilt als wichtigster Abnehmer von Vittel-Mineralwasser hierzulande. Dass die Belieferung des Discounters nun ausläuft, markiert einen weiteren Schritt beim Rückzug von Nestlé aus dem Wassergeschäft. Wie es mit anderen Handelspartnern von Vittel in hierzulande weitergeht, ließ der Konzern offen. Zum Stand der jährlichen Verhandlungen will Nestlé nichts sagen.

Vittel (Frankreich) ist nicht nur ein Mineralwasser, sondern zuerst einmal ein Ort in den Vogesen – der auf einem flüssigen Schatz sitzt. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts lebt der Ort von seinem natürlichen Reichtum aus bis zu 300 Metern Tiefe. Vittel war in der Art-déco-Epoche ein Heilbad mit wuchtigen Hotels, Palästen und Casinos. Heute stehen sie oft leer und verströmen nur noch den Charme verflossener Zeiten. Jetzt aber sinkt der Wasserspiegel in der Muschelkalkschicht tief unter dem Dorf jährlich um 30 Zentimeter. Und zu diesem Sinken hat Nestlé beigetragen, den rund eine Million Plastik- und Glasflaschen verlassen das Werksgelände des Schweizer Konzerns, dem die Quelle Grande-Source seit 1969 gehört.

Zusätzlich gibt es für Nestlé Ärger mit Umweltschützern vor Ort, die in der Nähe der Abfüllanlage von Nestlé Waters in Vittel immer mehr Abfalldeponien mit verrotteten Plastikflaschen entdeckt haben.

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