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Syngenta-Chef Erik Frywald: Bio ist schlecht für das Klima

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In einem Interview mit der NZZ am Sonntag verteidigt der Chef des Agrarkonzerns nicht nur die Pestizide sondern fordert ein Abgehen vom Bio-Landbau. Denn, so meint er, nur mit industrieller Landwirtschaft kann die Bevölkerung ernährt werden.
KOMMENTAR / MEINUNG

Natürlich nimmt Erik Fyrwald, der US-Manager des Konzerns, der jetzt eigentlich dem Chemie-Giganten ChemChina gehört, auch den Ukraine-Krieg zum Anlass um über die, seiner Meinung nach drohende Nahrungskrise zu spekulieren.

Er teilt gegen die Bio-Landwirtschaft aus und macht sie – indirekt – für den Hunger in Afrika verantwortlich. Wir hier im reichen Europa sind also am Hunger in Afrika schuld, weil wir immer mehr Bio-Produkte essen wollen. Biolandbau braucht nämlich größere Anbauflächen und Bio würde auch dem Klima schaden, weil die Äcker gepflügt werden, was den CO2 Ausstoß erhöhe. Natürlich wurde Frywald im Interview damit konfrontiert, dass er aus Konzerninteressen den Biolandbau bekämpfe, was er vehement leugnete.

Aber bereits in einem Interview vom April 2019 blies er in dasselbe Horn. Damals sagte er: Bioprodukte seien schlecht für den Klimaschutz. Und plädierte dafür Glyphosat und andere Pflanzenschutzmittel auf den Feldern weiter zu verwenden. Er behauptete „Glyphosat sei ein viel genutztes und wichtiges Instrument. Es brauche solche Mittel, um den Befall mit Unkraut, Krankheiten und Insekten effektiv zu reduzieren. Ansonsten können wir die Welt nicht ausreichend ernähren“.

Weiter meinte er, es müssten die Treibhausgase gesenkt werden, die zu einem bedeutenden Teil von der landwirtschaftlichen Erzeugungskette verursacht werden. Dass aber der Pflanzenanbau am Anfang der Erzeugerkette steht, ist ihm als Chemiker anscheinend entgangen.

So wissen wir heute schon längst, dass industrielle Landwirtschaft mit ihrer Monokultur zu Bodenarmut, Grundwasserbelastung, Vernichtung der Biodiversität, Abbau der Moore, Zerstörung der Wälder führt. Ökosysteme und Kreislaufwirtschaft nutzen hingegen nichtlineare Anbaumethoden, die zu mehr Humus, daher mehr Bodenfruchtbarkeit und damit auch zu mehr Ernteerträgen führen.

Der Berner Biobauer und Präsident der Kleinbauern-Vereinigung, Kilian Baumann, bezeichnete die Argumentation von Syngenta als grotesk: Weil die Bauern immer weniger Pestizide einsetzten, kämpfe ein Agrarkonzernvertreter nun um seine Umsätze. Nicht der Biolandbau, sondern der Hunger auf Fleisch förderten den Landverbrauch, schrieb der Grüne Berner-Nationalrat in einem Tweet.

Er wies darauf hin, dass auf 43 Prozent der Schweizer Ackerfläche Futtermittel angebaut werden und zusätzlich würden noch 1,2 Millionen Tonnen an Futtermitteln importiert. Um also eine tierische Kalorie zu produzieren benötige es ein Vielfaches an Fläche gegenüber einer pflanzlichen Kalorie, so Baumann.

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