KÄRNTEN ECHO

Satellitenbilder beweisen Existenz von Uiguren-Lagern in China

Recherche von US-Journalisten bringt Chinas Regierung in Bedrängnis

Wie der Standard berichtet, entdeckten US-Journalisten die Existenz von 315 Uiguren-Lagern. Die chinesische Regierung hält die Informationen zum Internierungsprogramm der muslimischen Uiguren streng geheim. Eigentlich sind nur die Standorte von 5 „Bildungszentren“ offiziell bekannt. Es werden aber gut 1.200 Lager für Uiguren vermutet. Die Journalisten erklärten in einem Interview, wie sie auf die Spuren der übrigen Lager gestossen waren. Ihnen wäre aufgefallen, dass beim chinesischen Kartendienst Baidu Maps, ab einer gewissen Vergrößerung, eine blanke Kachel über einem bereits bekannten Lager lag. So entdeckten sie, dass es über 5 Millionen solcher Kacheln in der uigurischen Region gab. Durch Vergleiche mit aktuellem Kartenmaterial von Google Earth, der Europäischen Weltraumorganisation und Planet Labs fanden sie heraus, dass unter den Kacheln meist strategische Areale, wie Militärbasen, Minen, Kraftwerke und Gefängnisse befanden. Durch Fokussierung auf zensierte Orte und den Vergleich mit alternativen Satellitenbildern konnten sie bei 428 Einrichtungen Merkmale von Gefängnissen oder Lagern zur Internierung herausfinden. Die Journalisten vermuten, dass ungefähr 315 Lager für das Umerziehungsprogramm der Figuren Verwendung finden. Manche fassen bis zu 10.000 Menschen.

Planet Labs, von früheren NASA-Wissenschaftlern gegründet, unterstützte die Recherche mit, möglichst täglichen, frischen Fotos und Filmen.
Laut Menschenrechtsorganisationen werden mehr als eine Million Uiguren in Straflager gesperrt und gezwungen, sich von ihrer Kultur, ihrer Sprache, ihrer Religion abzuwenden. Das Umerziehungsprogramm der chinesischen Regierung, dass bereits in Tibet erfolgreich erprobt wurde, wird von den Verantwortlichen der Staatsmacht vehement geleugnet. Laut Aussage der Regierung wären das Bildungszentren, um die islamistische Radikalisierung zu bekämpfen. Ab 2016 hatte dieses System auch einen Namen: Chen Quanguo. Er wurde zum Parteisekretär von Xinjiang ernannt und hatte zuvor sieben Jahre lang in Tibet die dortigen kulturellen Eigenheiten bekämpft. So konnte er rasch seine Erfahrung im neuen Zuständigkeitsbereich einsetzen.