KÄRNTEN ECHO

Qualitätsjournalismus in Zeiten von Trump, Corona & Co

Petra Stuiber | Bild: Peter Rigaud/Standard
Kurt-Vorhofer-Preisträgerin Petra Stuiber ("Der Standard") betont bei der Preisverleihung die Wichtigkeit hochwertiger, seriöser Berichterstattung

In der Wiener Hofburg wurden zwei Journalistinnen mit den renommiertesten Journalistenpreisen 2020 ausgezeichnet. Petra Stuiber, stell­ver­tre­ten­de „Stan­dard“-Chef­re­dak­teu­rin, mit dem Kurt-Vor­ho­fer-Preis und ORF-Jour­na­lis­tin Ulla Kra­mar-Schmid mit dem Ro­bert-Hoch­ner-Preis.

In ihrer Rede (in der Kleinen Zeitung vom 29.9.2020 nachzulesen) betont die neue Preisträgerin Petra Stuiber, wie wichtig es gerade in unruhigen Zeiten ist, eine klare, deutliche, seriöse Berichterstattung zu pflegen. Eine Berichterstattung, die frei von spekulativen Inhalten, verdeckten Anschuldigungen und vagen Informationen ist.

Das wichtigste sei, wie sie sagt, die Recherche, das Hinterfragen, das kritische Kommentieren. Sie nimmt die Berichterstattung zu Covid-19 als Beispiel und erläutert daran, wie die Information über die Umsetzung der Maßnahmen der Regierung im Standard erfolgte, ob sie verhältnismässig waren und wie das bei den Leserinnen und Lesern ankam. Dem Pulk an 59 Medienbetreuern im Bundeskanzleramt mit täglichen Pressekonferenzen, Statements, selektiv vergebenen Info-Häppchen stand die journalistische Crew der Medien gegenüber, die durch ihre Hartnäckigkeit in die unüberschaubare Flut der Message Control eine klare Linie hineinbringen musste. Auch die Kollegenschaft der Mitbewerber habe es ähnlich erlebt.

Tragisch war das Wegbrechen des Anzeigenmarktes, aber die Wirtschaftshilfen kamen hauptsächlich den Boulevardmedien zugute. Die Qualitätsmedien bekamen wenig und die Onlinemedien bekamen garnichts, aber es wurde dann nachgebessert. Was das „Coronajahr“ aufzeigt ist die Abhängigkeit aller Medien von Zuwendungen der öffentlichen Hand.

Das ist für die Demokratie gefährlich, sagt Petra Stuiber, wenn die vierte Kraft, was ja kritischer Journalismus ist, selbst Hilfe braucht. Objektive Recherche, auf die mündige Bürger und Bürgerinnen ein Recht haben ist zeitaufwendig, intensiv. Das muss sich auch ökonomisch rechnen. Aber Redaktionen werden nur mehr als Kostenfaktor gesehen.
Qualitätsjournalismus hinterfragt, recherchiert, informiert, erläutert, weist hin, zeigt Verbindungen auf. Um Journalisten und Journalistinnen diese Recherchearbeit zu ermöglichen braucht es eine ordentliche Presseförderung und ein Transparenzgesetz über die Verteilung der Inserate.