KÄRNTEN ECHO

Lockdown Regeln werden nicht eingehalten

Bild: pixabay
"Treffen Sie niemanden" bewirkte dichtes Gedränge beim Samstagseinkauf im Supermarkt. Auch sehr viele Spaziergeher im Univiertel auf dem Weg zum See, nachdem sich gestern endlich die Nebelsuppe lichtete.

Jetzt hat uns das Virus einen zweiten Lockdown beschert und was tun wir? Wir stürmen die Geschäfte. Beim samstäglichen Kurzeinkauf in einem Klagenfurter Supermarkt konnte erstaunt festgestellt werden, dass die beiden Lebensmittelgeschäfte vor Ort so voll waren, als wären jetzt drei Feiertage hintereinander. Und die Speis ist leer.
In einem weiteren großen Supermarkt, wo noch der Resteinkauf erledigt wurde, konnte festgestellt werden, was sich wirklich auf dem Förderband türmte: Chips, Süssigkeiten, Fertiggerichte, Verdünnungssirupe, Fertiggrießbrei, kein Gemüse auch nicht Tiefkühlgemüse, kein Obst. Der zu zahlende Betrag dafür 256 Euro. Trostnahrung nennt sich das. Zucker und Fette besänftigen den Stress in uns. Und sie besänftigen uns so, dass es wie eine Betäubung ist.

Nicht umsonst spricht man vom Suchtfaktor des Essens. Wir kommen auf die Welt und das erste Essen ist süß und besänftigend. Es stillt den realen körperliche Hunger. Aber Essen wird auch zum Ersatz für Nähe, Kontakt, Akzeptanz. Und es besänftigt unsere ersten Aggressionen und Ängste, was bewirkt, dass wir apathischer, gleichgültiger werden.

Fast könnte schlußgefolgert werden, das wir garnicht auf das Virus reagieren. Fast ein Jahr Vorschriften, Anweisungen, Abstand, Durchhalten, Homeoffice – Parolen, die uns beim Hals heraushängen. Die Regeln der Regierung plädieren an unsere Vernunft, aber unsere Gefühle erreichen sie nicht.

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