KÄRNTEN ECHO

Krisenpolitik entscheidet an Frauen vorbei

Bild: © Stadt Villach/Marta Gillner
Heute, der 8. März, ist der internationale Frauentag. Immer noch herschen viele Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern.

Heuer fällt der internationale Frauentag fast genau auf den Jahrestag der Coronapandemie und diese hat einmal mehr deutlich gemacht, wie viele Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern noch immer in unserer Gesellschaft verankert sind. Wir in Villach wollen heuer laut und deutlich darauf aufmerksam machen, dass vor allem wir Frauen diese Krise stemmen“, so Villachs Frauenreferentin Vizebürgermeisterin Gerda Sandriesser (SPÖ).

Hauptsächlich Frauen arbeiten in systemrelevanten und zugleich unterbezahlten Berufen, gerade sie sind in der Krise von Kurzarbeit und Einkommenseinbußen am häufigsten betroffen. Die aktuellen Zahlen des AMS Villach sind deutlich. Die Arbeitslosigkeit im Bezirk Villach hat im Feber 2021 verglichen mit dem Jahr 2020 insgesamt um 27,4 Prozent zugenommen, dabei sind Frauen (+33,7 Prozent) wesentlich stärker betroffen als Männer (+22,5 Prozent).

Rund 1700 Frauen haben sich im vergangenen Jahr telefonisch oder digital unter anderem wegen Schlafstörungen, depressiven Verstimmungen, Essstörungen, Bandscheiben-Problemen Panikattacken und Erschöpfungszuständen beim Frauengesundheitszentrum gemeldet.

„Um möglichst gesund durch die Krise zu kommen, müssen Fraueninteressen in allen politischen Entscheidungs- und Beratungsgremien vertreten sein. Die Geschlechterperspektive muss bei den Budgets für Pandemiemaßnahmen konsequent berücksichtigt werden. Politische Entscheidungen zu Öffnungsschritten brauchen endlich auch gesundheitsförderliche Veranstaltungen für Frauen, dies muss denselben Stellenwert wie Krankheitsversorgung bekommen“, erklärt Regina Steinhauser, Geschäftsführerin des Frauengesundheitszentrums Kärnten.

„Unbezahlte Arbeit wie Kinderbetreuung, Homeschooling oder andere Haus und Sorgearbeit in der Familie hat in der Pandemie zugenommen und besonders Frauen hohem Druck ausgesetzt. Auch der Wiedereinstieg von Frauen in den Beruf nach einer Elternkarenz wird durch die schwierige wirtschaftliche Situation erschwert und resultiert oft in angespannter finanzieller Lage“, sagt AK-Vizepräsidentin Uschi Heitzer.

„Die Pandemie hat die Unterschiede zwischen Männern und Frauen wieder deutlich sichtbar gemacht. Die Frauen sind die ersten die es trifft, sowohl bei Arbeitslosigkeit als auch bei unbezahlten Tätigkeiten. So wie auch Frauenpolitik rasch von aus Männersicht wichtigeren Themen zurückgedrängt wird. Doch Krisenzeiten bieten die Chance, für die Zukunft politische andere Weichen zu stellen. Die Sehnsucht nach unserem alten Leben darf nicht zu einem Rückfall in alte Rollenmuster führen. Am Wiederaufschwung der Wirtschaft müssen Frauen gleichberechtigt teilhaben“, fasst die an der FH Kärnten lehrende Politikwissenschafterin Kathrin Stainer-Hämmerle zusammen.

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