KÄRNTEN ECHO

Frühlingszeit: Pestizidzeit

Bild: pixabay
Glyphosatverbot für Private leider Themenverfehlung. Vorwurf an Grüne: Umfaller vor der Agrarlobby, denn der Großteil des Pestizids wird in der Land- und Forstwirtschaft eingesetzt.

Als völlig unzureichend kritisieren Greenpeace, GLOBAL 2000, die SPÖ das von der Bundesregierung vorgelegte Glyphosatverbot light das mit der Landwirtschaft den mit Abstand größten Verursacher der Glyphosatemissionen (über 90% gehen auf das Konto der Landwirtschaft!) außen vor lässt. Das neue Verbot soll die Anwendung im privaten Bereich und in sensiblen Gebieten wie um Schulen, Spielplätzen, Kindergärten regeln.

Laut einer aktuellen Umfrage wollen 93 % der Österreicher*innen ein Totalverbot von Glyphosat. Der Bundeskanzler hatte ein solches bereits im Dezember 2017 in Aussicht gestellt, als eine der ersten Maßnahmen der gemeinsamen Regierungsarbeit. Im Juli 2019 stimmte die ÖVP sogar (als einzige Parlamentsfraktion) gegen ein Glyphosatverbot. Das Argument des Landwirtschaftsministeriums lautete, ein Totalverbot sei mit EU-Recht nicht vereinbar.
„Doch während in Luxemburg 2020 ein Totalverbot von Glyphosat in Kraft trat, belohnt Österreich den Einsatz des umstrittenen Ackergifts bis zum heutigen Tag sogar mit Agrarumweltförderungen“, verweist der GLOBAL 2000 Umwelt-Chemiker Burtscher-Schaden auf die Widersprüchlichkeit der österreichischen Agrarpolitik.

In Deutschland haben Monitoringstudien zur Verbreitung von Ackergiften nachgewiesen, dass Pestizide nicht im Boden bleiben, wie so gerne von Pharmafirmen und der Agrarlobby argumentiert wird, sondern dass Luftbewegungen Ackergifte weit über das Land tragen. Sie sind an Orten nachweisbar, wo es definitiv keine Ausbringung von Pestiziden gibt, z.B. in Naturschutzgebieten oder in biologisch kultivierten Gärten.

Vor diesem Hintergrund forderte anfangs des Jahres eine breite zivilgesellschaftliche Allianz aus 24 österreichischen Organisationen aus den Bereichen Landwirtschaft, Imkerei, Gesundheitsschutz, Umweltschutz, Naturschutz, Tierwohl, ArbeitnehmerInnenschutz, KonsumentInnenschutz, Entwicklungszusammenarbeit sowie aus kirchlichen Organisationen die Bundesregierung mit einem gemeinsamen Forderungspapier dazu auf, den Verzicht auf Glyphosat zur Voraussetzung für den Erhalt von Agrarumweltförderungen aus öffentlichen Geldern zu machen.