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Fake-News: Warum sie so hartnäckig sind

Bild: pixabay
Präsidentschaftswahlen in den USA, Stimmungsmache gegen Geflüchtete, Corona-Pandemie: Bei all diesen Ereignissen waren Fake- News ein großes Thema. Was aber kann man dagegen tun? Oft hört man den Ratschlag, sich die Quelle der Nachricht anzuschauen und einzuschätzen, ob sie glaubwürdig ist – so lassen sich gezielt lancierte Falschinformationen oft entlarven. Genau das ist unserem Gehirn aber eventuell einfach egal.

Fake-News sind eine der größten Herausforderungen unserer heutigen Medienwelt. Besonders auf Facebook, Instagram und Twitter kommt man nicht darum herum damit konfrontiert zu werden – und nicht erst seit Beginn der Pandemie geben Experten Tipps, wie wir uns effektiv gegen die Falschmeldungen schützen können.

Eine der Anweisungen war es immer, sich das Profil oder die Website anzuschauen, von der die Meldung kommt. Wenn schon die Quelle der Nachricht unseriös wirkt, können wir oft davon ausgehen, dass die Schlagzeile selbst es auch ist. Zwischen dem, was wir glauben wollen und dem, was wir letztendlich denken, können aber große Unterschiede liegen.

Zu einem solchen Ergebnis ist nun ein Forscherteam von der Humboldt-Universität zu Berlin gekommen. Die Wissenschaftler haben in einer Studie untersucht, welche Auswirkungen negative und positive Falschmeldungen auf unser Gehirn haben. Zu Beginn wurden den Testpersonen verschiedene Medienquellen gezeigt, die sie in Hinblick auf ihre Glaubwürdigkeit bewerten sollten.

Dann sollten die Teilnehmer verschiedene Schlagzeilen lesen, die teilweise sehr emotional, manchmal aber auch sehr sachlich formuliert waren.

Nach einer kurzen Pause wurden den Testpersonen dann nacheinander die Gesichter der Personen, über die berichtet wurden, gezeigt. Die Teilnehmer sollten unter anderem angeben, ob sie die Person eher sympathisch oder unsympathisch finden. Zusätzlich wurden ihre Hirnströme gemessen, um zu beurteilen, ob sie diese Entscheidung spontan oder wohlüberlegt getroffen haben.

Die Hirnströme wurden dafür in zwei Kategorien unterteilt: schnelle und langsame. Die schnellen Ströme spiegelten die spontanen Reaktionen wider, die langsamen dagegen die kontrollierten, bewussten Gedanken. Bei diesen erwarteten die Forscher einen Einfluss der Vertrauenswürdigkeit der Quelle auf die Meinung der Probanden.

Das Ergebnis zeigte: Besonders die negativen Schlagzeilen haben eine starke Auswirkung auf das Ansehen einer Person. Wenn negativ über sie berichtet wird, stufen auch die Studienteilnehmer diese Personen direkt als unsympathischer ein. Das Interessante hierbei: Ob die Quelle, von der die Nachricht kam, im Vorfeld als vertrauenswürdig eingestuft wird oder nicht, scheint keinen großen Unterschied zu machen. Selbst wenn es sich um eine offensichtliche Falschmeldung handelt, verlieren die vermeintlichen Missetäter durch sie an Ansehen.

Bei positiven Nachrichten war das anders. Wenn sie aus einer scheinbar aufrichtigen Quelle stammten, schätzten die Testteilnehmer die Person, über die berichtet wurde als sympathisch ein – sowohl spontan, als auch nach kurzer Überlegung. Wurde die Schlagzeile jedoch auf einer unseriösen Website veröffentlicht, blieb die positive Reaktion auf das gezeigte Gesicht aus.

Diese Ergebnisse bestätigen, dass üble Nachrede und Verleumdungen hängen bleiben – selbst wenn wir wissen, dass sie falsch sind. Bei negativen Falschmeldungen ist es nicht von Bedeutung, wie seriös die Quelle ist, aus der sie stammen – in unserem Gehirn bleibt der negative Inhalt dennoch unbewusst hängen. Für den Kampf gegen Fake-News ist dies eine ziemlich schlechte Nachricht. Vielleicht sollten wir also das Sprichwort umschreiben und in Zukunft sagen: Ist der Ruf erst ruiniert, ist es auch egal, wer einem etwas anhängt.

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