KÄRNTEN ECHO

Österreicherin mit türkischen Wurzeln als Spionin festgenommen

Pressekonferenz | Bild: Copyright: BMI/Gerd PACHAUER, 01.09.2020 Wien, Karl NEHAMMER, Susanne RAAB, Franz RUF
Türkischer Geheimdienst infiltriert mit Spitzeln die türkische Community

Wie gestern der ORF und weitere Informationsmedien berichteten wurde eine Austro-Türkin wegen Spionageverdachts für die Türkei verhaftet. Sie gestand bei ihrer Einvernahme, Teil eines Spitzelnetzwerks für die Türkei, das über WhatsApp kommunizierte, zu sein.

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) verkündigte am 1. September 2020 in einer Pressekonferenz, gemeinsam mit Integrationsministerin Susanne Raab und dem Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Ruf, dass die Frau für die Türkei spioniert habe.

Die Vorgehensweise der Rekrutierung war stets dieselbe. Österreichstämmige Türken, die in Österreich öffentlich über die politischen Bedingungen in der Türkei protestierten wurden, bei einem Türkeibesuch, wegen einer Kleinigkeit verhaftet. In Untersuchungshaft besuchte sie dann der türkische Geheimdienst und bot ihnen die Freilassung an, wenn sie österreichstämmige Türken ausspionieren würden. Die Oberösterreicherin hat sich breitschlagen lassen. Ein Tiroler, der ebenfalls in der Haft angeworben wurde, nicht. Er verbrachte drei Monate in einem türkischen Gefängnis, ohne Gerichtsverfahren. Im Gefängnis wurde er mit seiner Adresse und einem Foto einer Demo, an der er teilgenommen habe, unter Druck gesetzt. Als er endlich zurückkehren konnte, meldete er den Vorfall den Behörden.

Auf die Spur des Spionagefalls kamen BVT-Ermittler nach den Gewaltausbrüchen zwischen Kurden und Türken in Wien-Favoriten im Juli. Damals wurde eine eigene SoKo eingerichtet, um zu überprüfen, ob der türkische Geheimdienst seine Finger bei den Ausschreitungen im Spiel gehabt hätte. Es werde noch gegen weitere 30 Verdächtige in Wien ermittelt, heißt es aus dem Innenministerium. Welche diplomatischen Folgen die Spitzel-Affäre für die austro-türkischen Beziehungen nun haben wird, ist (noch) unklar. Nehammer hat seinen deutschen Kollegen, Innenminister Horst Seehofer informiert und sucht bereits den Schulterschluss mit EU-Amtskollegen, um sich gegen den Einfluss Ankaras zu wehren.