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WWF-Bodenschutz-Barometer zeigt große Defizite beim Kampf gegen Flächenfraß

Bild: pixabay
Ohne Trendwende geht der Flächenfraß ungebremst weiter. Daher muss die für Herbst geplante Bodenschutz-Strategie verbindliche Ziele und konkrete Maßnahmen enthalten. Hier steht vor allem die federführend zuständige Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger in der Pflicht.

Das aktuelle Bodenschutz-Barometer des WWF Österreich zeigt große Versäumnisse beim Kampf gegen den Flächenfraß. Die Naturschutzorganisation untersuchte 22 Versprechen zum Bodenschutz im Regierungsprogramm. Davon stehen 15 auf Rot und nur 7 zumindest auf Gelb. Auf Grün steht keine einzige Maßnahme, wie die Zwischenbilanz mehr als zwei Jahre nach Start der Bundesregierung zeigt. Der WWF fordert daher mehr Tempo von allen zuständigen Ressorts und einen umfassenden Bodenschutz-Vertrag.

Ausständig sind insbesondere die versprochene „österreichweite Bodenschutzstrategie für sparsameren Flächenverbrauch“ sowie der „Zielpfad zur Reduktion des Bodenverbrauchs auf netto 2,5 Hektar pro Tag bis 2030“. Beide Punkte befinden sich derzeit nur im Arbeitsgruppen-Status. „Anspruch und Wirklichkeit klaffen bisher weit auseinander. Das muss sich dringend ändern“, fordert Maria Schachinger vom WWF. Positiv bewertet die WWF-Expertin hingegen die Anwendung des Klima-Checks für die Absage des Lobau-Tunnels. Die gesetzliche Umsetzung des Checks im Klimaschutzgesetz und im Umweltrecht ist allerdings noch offen.

Auch in den Bundesländern hapert es mit der Reduktion des Bodenverbrauchs. Nach aktuellen Recherchen der NGO scientists4future ist der Bodenverbrauch in Kärnten mit Abstand der höchste in Österreich. Seit 2020 ist es ein Hektar pro Tag und im Schnitt der letzten Jahre waren es 2,2 Hektar. Was also im Regierungsprogramm für ganz Österreich gefordert wird schafft Kärnten allein, sagt dazu die Wissenschaftlerin Krawanja-Ortner von scienctists4future.

Zwischen 2010 und 2020 wurden im Durchschnitt zwei Fußballfelder Boden pro Tag in Kärnten verbraucht. Das geht aus den Zahlen hervor, die vom Land an das Umweltbundesamt gemeldet werden. 81 Quadratkilometer freie Landschaft seien in Bau-, Verkehr,- Freizeit-, und Abbauflächen umgewandelt worden.

Diese Zahlen werden vom für Raumplanung zuständigen Landesrat, Daniel Fellner (SPÖ), auch bestätigt. Das kontinuierliche Reduzieren des Flächenverbrauchs seit seiner Amtseinsetzung ist vorhanden. Aber das ist noch immer zu wenig. Laut Zielwert des WWF sollte der Verbrauch in ganz Österreich auf einen Hektar pro Tag beschränkt werden.

Erreichbar sei das nur mit Bodenzustandsberichten, die bis auf die Gemeindeebene herunter gebrochen werden sind sich Krawanja-Ortner und Schachinger vom WWF einig. Das schafft Bewusstsein und dann könnte man mehr Erfolg beim Bodenschutz haben.

Solche Bodenzustandsbewertungen wurden in der Regierung zwar bereits einstimmig beschlossen, ein Datum für die Veröffentlichung gibt es laut dem zuständigen Landesrat aber noch nicht.

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