KÄRNTEN ECHO

Kanadische Studie an Obdachlosen zeigte, wie Hilfe zur Selbsthilfe funktioniert

Bild: pixabay
Expert*innen weisen auf steigende Armut in Österreich während Corona Pandemie hin und begrüßen Initiativen wie das kanadische Obdachlosenexperiment.

Als die Organisation Foundations of Social Change in Vancouver das Obdachlosenexperiment startete, wurde laut über Geldverschwendung geredet. Denn 50 ausgewählte Obdachlose der Gegend um Vancouver bekamen eine Einmalzahlung von 7.500 kanadischen Dollar geschenkt. Nach einem Jahr (2019) wurde verglichen, wo die Gruppe mit Geld im Vergleich zur 65-köpfigen Kontrollgruppe sich befand, die nur betreut wurde.

Das Ergebnis zeigte, dass die Menschen mit der finanziellen Unterstützung rascher eine Unterkunft fanden und sich selbst besser versorgten. Sie aßen regelmäßiger, kauften sich Kleidung und der Alkohol- Zigaretten- und Drogenkonsum sank um 39 Prozent. Teilnehmer an der Studie berichteten, die finanzielle Unterstützung hätte sie wieder auf die Beine gebracht. Die Studienteilnehmer wurden aber auch sorgfältig ausgesucht und hatten weder schwere Drogen- noch psychische Probleme. Einige der Teilnehmer besuchten Ausbildungen und begannen sich selbst in der Obdachlosenszene zu engagieren.

Die Wifi-Expertin Christine Mayrhuber und der Armutsexperte Martin Schenk von der Diakonie sehen in solchen Experimenten auch Sinn für die Bekämpfung der Armut in Österreich. Besonders im Jahr der Corona-Pandemie. Denn die öffentliche Hand gibt in Kanada im Schnitt 55.000 kanadische Dollar (35.400 Euro) pro Obdachlosen an Sozialhilfe aus. Das Geld geht an die Obdachlosenunterkünften. Somit wurden für die 50 Menschen, die wieder für sich selbst sorgen konnten 405.000 Dollar eingespart.

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