KÄRNTEN ECHO

Für eine zukunftsfähige und krisensichere Landwirtschaft in Österreich

Bild: pixabay
Warum Bio-Betriebe mit vielfältigen Anbaumethoden besser durch die Corona-Krise kamen zeigen die Beispiele dreier Höfe in Österreich.

Die beiden Vereine Greenpeace und ARCHE NOAH haben in den vergangenen Monaten drei Bio-Höfe in Österreich besucht und mit den Landwirt*innen über die Corona-Krise und die Auswirkungen auf ihre Betriebe gesprochen. In den Gesprächen erfuhren die Interviewer, dass die kleinen, ökologisch wirtschaftenden Landwirtschaftsbetriebe gut durch die Krise gekommen sind. Obwohl sie wenig oder gar keine öffentliche Förderung erhalten, arbeiten sie nachhaltig und zukunftsweisend.

Im Gegensatz zu den konventionellen Betrieben, die auf eine Produktlinie setzen und von global gehandelten Gütern – z.B. Futter- Düngemitteln, Saatgut, Pestiziden – abhängig sind, reagierten kleine Unternehmen durch den Anbau einer Vielfalt von Kulturpflanzen und die Nutzung verschiedener Betriebszweige und Absatzwege flexibler auf die Gegebenheiten in der Krise.

Erinnern wir uns nur an die Spargel- und Erdbeerbauern, die große Probleme hatten ihre saisonalen Erntehelfer*innen aus Osteuropa nach Österreich zu bringen. Und wie der Absatzmarkt von Fleischprodukten einbrach, als Tourismusbetriebe und Gastronomie schließen mussten. Auch in den Schlachthöfen selbst kam es immer wieder, wegen Clusterbildungen, zu Schließungen.

Die drei Betriebe Biosain in Thunau/Gars am Kamp, Schmidt in Neudorf im Weinviertel und der Lerchenhof im Kamptal bieten eine Vielfalt an Frisch- und Lagergemüse an. Dazu noch verschiedene Getreidesorten und daraus verarbeitete Produkte wie Mehle, Nudeln, Flocken, Grieß oder auch Öle oder Honig und Schaffleisch.

Alle drei Betriebe betonen, dass ihre Angebote gerne von den Stammkund*innen angenommen werden, somit die Direktvermarktung eine wichtige Säule ihres Betriebes ist. Außerdem unterstützt die Kleinräumigkeit ihres Besitzes intelligente Anbauweisen, wie z. B. der Etagenkultur oder sie arbeiten mit fixen Partnern wie Sonnentor, ARCHE NOAH oder Foodkooperationen zusammen. Auch das Gemüsekiste-Abo ist für sie eine Einnahmequelle.

Franziska Lerch, Besitzerin des Lerchenhofs und Dipl. Agraringeneurin, erläutert, dass die vielfältige Wirtschaftsweise zwar nicht so hohe Spitzen bei Gewinn und Ertrag bringt wie die Spezialisierung auf ein Produkt. Aber dafür ist die Sicherheit des Ertrags viel höher, denn die Vielfalt macht die Betriebe krisenfest. Auf diese Weise können alle Menschen ernährt werden.

Greenpeace und ARCHE NOAH schlussfolgern, dass ein Umdenken in der Landwirtschaft unumgänglich ist. Wie die Corona-Krise zeigt hat eine intensive Landwirtschaft mit Flächengröße, Monokulturen, Massentierhaltung und dem Einsatz von Pestiziden, Düngemitteln, importiertem Futter deutliche Schwächen. Sie trägt zur Überproduktion einer Ware (Milch) bei und damit auch zur Entsorgung, wenn der Marktpreis nicht mehr kostendeckend ist.

Sie folgern weiter, dass Ernährungssicherheit durch vielfältige, regionale Betriebe garantiert werden kann. Zusätzlich muss die zukünftige Agrarförderung weniger von der Flächengröße sondern mehr von Umweltfreundlichkeit und Anbauvielfalt abhängig sein. Nur das schafft auch in einer Krise Unabhängigkeit vom globalen Markt.

Da derzeit über die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union verhandelt wird, fordern Greenpeace und ARCHE NOAH von Landwirtschaftsministerin Köstinger und Umweltministerin Gewessler, die österreichische Landwirtschaft ökologischer, anpassungsfähiger und krisensicherer zu machen.

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