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Fehlerhafte Studien könnten Glyphosat für weitere Jahre zur Wiederzulassung in der EU verhelfen

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Wissenschaftler kritisierten die in einem vorläufigen Bewertungsbericht über Glyphosat getroffene Schlussfolgerung, dass der Pestizidwirkstoff sicher sei und seine Zulassung in Europa erneuert werden könnte.

Die EU-Zulassung für Glyphosat, das meistverkaufte Pestizid der Welt, läuft im Dezember 2022 aus. Im Rahmen eines langwierigen und wenig transparenten Verfahrens zur Wiederzulassung hatten die Glyphosat-Hersteller unter Führung von Bayer im Sommer 2020 den zuständigen Behörden Studien vorgelegt, in denen sie behaupteten, Glyphosat sei sicher.

Eine neue, unabhängige Überprüfung durch zwei renommierte Wiener Krebsforscher zeigt nun, dass das Studiendossier von Bayer fehlerhaft ist. Die Wissenschaftler bemängeln, daß 18 von 35 Studien, die sich mit DNA-schädigenden Effekten (Gentoxizität) von Glyphosat beschäftigen und für die Zulassung von zentraler Bedeutung sein werden, „nicht zuverlässig“ sind. 15 weitere als „teilweise zuverlässig“ und nur zwei als „zuverlässig“ beurteilt werden können. Das heißt: Die Hersteller von Glyphosat haben den EU-Behörden fehlerhafte Studien zur Gentoxizität vorgelegt. Somit können die Studien die Unbedenklichkeit von Glyphosat nicht belegen.

Worauf die Krebsforscher zudem hinweisen ist, dass keine von der Industrie vorgelegte Studie die DNA-Schäden in der Leber untersucht. Zudem sind die von der Industrie verwendeten Testsysteme 30 Jahre alt. Die heutigen Testmethoden sind viel weiter entwickelter und empfindlicher.

Gesundheits- und Umwelt-NGOs fordern deshalb die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und die europäische Chemikalienagentur (ECHA) auf, diese neuen Erkenntnisse im laufenden Bewertungsverfahren für Glyphosat zu berücksichtigen. Denn die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO kam bereits 2015 zum Schluss, dass es „starke Beweise“ dafür gibt, dass Glyphosat DNA-schädigend wirkt und „wahrscheinlich beim Menschen krebserregend“ ist. Die Schlussfolgerung basierte auf einer umfassenden Überprüfung moderner, von Experten und Expertinnen begutachteter Studien.

„Die Zeichen stehen auf Sturm für Glyphosat. Glyphosat verschmutzt Flüsse und Böden in ganz Europa und belastet Millionen von Bürgerinnen und Bürger täglich. Die neue deutsche Regierung hat sich diese Woche verpflichtet, das Pestizid zu verbieten. Dennoch sehen wir jetzt, wie EU-Beamte dran sind, eine weitere Neuzulassung von Glyphosat vorzubereiten. Das ist schlecht“, sagt Dr. Helmut Burtscher-Schaden, Experte für Chemikalienpolitik bei GLOBAL 2000.

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